Das Thema Long-Covid ist aus den Medien oft nur wenig bekannt, es ist lähmend, langwierig und die Lebensqualität sehr einschränkend. Weiters ist es für Außenstehende oft schwer auszumalen, wie es Betroffenen wirklich geht. Deshalb hier meine persönliche Geschichte.

Ich hatte einen lt. Definition unserer Politik und Gesundheitsexperten „sehr milden“ Verlauf bei meiner Coronainfektion Anfang März 2022. Mild soll wohl alles sein, wo man nicht beatmet werden muss. Mein milder Verlauf begann mit Halskratzen, was sich bei einem vorsichtshalber gemachten Selbsttest innerhalb von 10 Sekunden als Corona-positiv herausstellte. Am darauffolgenden Tag begannen viele Symptome gleichzeitig. Aus dem Halskratzen wurden Halsschmerzen, leichtes Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen… kam alles innerhalb weniger Stunden. An diesem Tag musste ich noch dazu zum behördlichen PCR-Test, dies war ein Samstag. Die meisten der Symptome klangen am drauffolgenden Sonntag allmählich ab, Husten/Schnupfen und Fieber blieben, die Halsschmerzen wurden von Stunde zu Stunde immer unerträglicher, sodass ich montags kaum mehr Schlucken konnte und per eRezept Antibiotika vom Hausarzt bekam, welche bereits nach 1,5 Tagen zu wirken begannen. Fieber, verschleimte Nase und Husten blieben jedoch für insgesamt 14 Tage, weshalb ich die behördliche Quarantäne, welche zu diesem Zeitpunkt nur mehr 10 Tage betrug, auf 14 Tage verlängern musste. In der zweiten Woche kam sogar noch Geschmacksverlust hinzu. Auch war ich ganze 11 Tage im Schnelltest positiv.

Weiters benötigte ich dann sogar noch 3 Tage Homeoffice, um körperlich einigermaßen wieder fit zu werden. In den ersten 3-4 Wochen nach meiner Infektion fiel es mir sehr schwer, körperliche Anstrengung zu verkraften. Auch einfachstes Stiegen steigen in den 1. Stock brachte mich komplett außer Atem. Was mir jedoch noch viel stärker auffiel, war die jeden Tag andauernde Müdigkeit. Nach einfachster geistiger Anstrengung war ich sofort sehr müde, ausgelaugt und einfach nur „fertig“. Jeder Arbeitstag wurde zu einem regelrechten Kampf mit meinen Energiereserven, nach teilweise nur 6 Stunden war ich komplett ausgelaugt.

Als dies auch nach 4 Wochen nicht besser wurde, suchte ich medizinischen Rat und konnte eine Vitamininfusions -und Blutlasertherapie beginnen. Die körperliche Leistungsfähigkeit war nach nur 2 Sitzungen wiederhergestellt, die geistige Leistungsfähigkeit begann auch nach 2 Sitzungen leicht zu steigen. Begleitet wurde die Therapie mit pflanzlichen Präparaten wie Ginkgo etc.

5 Wochen nach meiner Infektion war ich das erste Mal wieder imstande, 3 kurze Flüge mit der Tecnam zu machen, was mich schon sehr freute. Die erhöhte Leistungsfähigkeit für einen Tag blieb aber leider nur eine Momentaufnahme. Erst 9 Wochen nach Covid und weitere Behandlungen später war ich geistig wieder in der Lage, erneut zu fliegen. Leider nur für 3 Platzrunden und einen kurzen Lokalflug. Es ist mit der Zeit sehr zermürbend, zu manchen Sachen einfach nicht in der Lage zu sein. Man ist dauermüde, ausgelaugt, nichtmal langer Schlaf bringt Besserung und jeder Arbeitstag wird zum Durchhaltemanöver. Weiters leidet auch die Merkfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit merklich, das Bearbeiten von komplexen Listen und Dokumenten fällt von Minute zu Minute schwerer. Die Ärzte nennen auch das Symptom „Brain fog“.

Ich hatte nun jede Woche 1x die Therapiesitzung und merkte sofort, wenn diese mal ausfiel. Meine Nase war immer noch verschleimt, sodass ich jeden Tag inhalieren musste. Da das medizinische Patentrezept für die Behandlung leider nach wie vor fehlt, wurden verschiedenste Präparate ausprobiert, welche mal mehr, mal weniger halfen.

Erst 13 Wochen nach Covid war ich wieder für nur 3 Platzrunden und einen kurzen Lokalflug in der Lage, im Cockpit zu sitzen. Noch immer war der Konzentrations -und Leistungsabfall nach 30-40min im Cockpit eklatant zu bemerken. Für den restlichen Tag nach dem Flug war ich für keine Sache mehr zu gebrauchen. Nach weiteren Wochen waren jetzt 16 Wochen seit Covid vergangen, seit 1 Woche bekam ich zusätzlich das Präparat „Metanorm Brainfit“. Jetzt war ich, 16 Wochen nach Covid, an einem Samstag endlich wieder einmal in der Lage, einen Streckenflug nach Zell am See zu schaffen. Natürlich mit genügend Pause vor dem Rückflug. Darüber war ich sehr froh, dennoch sollte dieser Tag bezüglich geistiger Leistungsfähigkeit und Müdigkeit wieder nur eine Momentaufnahme zu sein.

In den folgenden 3 Wochen waren wir 21 Nächte in Hurghada im Urlaub. Da ich den gesamten Urlaub keine kniffligen Arbeiten, geistigen Anstrengungen etc. zu bewältigen hatte, rückte hier auch mein Long-Covid in den Hintergrund, was sehr gut tat. Ich konnte jeden Tag munter aufwachen und die Lebensfreude kehrte zurück. Nach 2 Wochen waren meine Gingko-Kapseln aufgebraucht, was das Grundenergielevel ein wenig senkte, so merkte ich wenigstens, dass diese auch was zur Besserung beigetragen haben.

Wieder zurück vom Urlaub waren bereits 4 Wochen seit der letzten Therapie vergangen, was ich auch sehr in der ersten Arbeitswoche zu spüren bekam. Ich fiel sprichwörtlich energiemäßig in ein Loch, jeden Tag war wieder Durchhalten angesagt, ehe ich zuhause hundemüde und ausgelaugt auf die Couch fallen konnte. Leider bekam ich meine erste Therapie erst 1 Woche danach, da auch der Arzt mal Urlaub hat. Davor wurde noch eine Blutuntersuchung gemacht, bei welcher man erhöhte Leberwerte feststellte.

Am Tag meiner ersten Therapiesitzung nach dem Urlaub ging es mir wieder besser, der Energielevel hielt jedoch nur diesen einen Tag an. Aktuell sind 4 Wochen seit dem Sommerurlaub vergangen, in welchen ich 3 Therapien erhielt. Leider hält sich die Besserung aktuell noch in Grenzen, so schlimm wie in der Woche direkt nach dem Urlaub ist es jedoch nicht mehr. Seit meinem letzten Flug am 02. Juli 2022 war ich leider nicht mehr in der Lage, mich ins Cockpit zu setzen.

Ich war seit meiner Covid-Infektion im März nur an wenigen Tagen in der Lage, die vollen 8 Arbeitsstunden am Tag zu schaffen. Meist werden es nur 7 bis 7,5 Stunden, ehe ich hundemüde nachhause fahren muss. Es fällt mir schwer, einfache Sachen wie Seriennummern für Lieferscheine zu merken, oft muss ich 3mal nacheinander wieder nachsehen. Das Bearbeiten von schwierigen Aufgaben oder großen Dokumenten kostet viel Überwindung, fällt mir schwer und ist sehr auslaugend. Nach einer gewissen Zeit fehlt einfach die Konzentration und der „Brain fog“ oder Gehirnnebel breitet sich aus.

Im August stellte man dann bei mir eine Abweichung bei einem Leberwert fest, welcher mit passenden Medikamenten begegnet wurde. Durch wöchentliche Therapiesitzungen (wie bisher) in Kombination mit diesem Medikament schaffte ich es nun, im Laufe des Septembers, erhebliche Besserungen meines Zustandes zu bemerken, weshalb ich nun endlich das erste Mal seit Anfang Juli in der Lage war, meine Normalarbeitszeit problemlos zu schaffen und mich Ende September wiedermal ins Cockpit zu setzen.

Im Oktober besserte sich das Long-Covid weiter, sodass wir nun von wöchentlichen auf 1,5 wöchentliche Therapieintervalle wechselten, was weiterhin sehr gut funktionierte. Nun war ich wieder in der Lage, meine Arbeitstage mit normalem Energie -und Konzentrationslevel zu schaffen, sogar einige Tage pro Monat mehr als meine Sollarbeitszeit zu bleiben und fliegen zu gehen, wann es das schwierige Herbstwetter erlaubte. Nur eine Zahnentzündung und die folgende Operation gaben mir in den darauffolgenden 2 Wochen einen kleinen Rückschlag, was sich jedoch schnell wieder besserte.

Ich blicke somit zuversichtlich in die Zukunft und dass 2023 ein viel besseres Jahr wird. Im neuen Jahr mache ich mit Therapiesitzungen alle 1,5 Wochen weiter, im Februar dehnen wir dies auf 2-wöchig aus. Dazu muss ich noch immer täglich Gingko, Andrographis und Brain-fit Kapseln einnehmen.

In den letzten Jahren flog ich durchschnittlich 50-60 Stunden, heuer waren es vor meiner Covid-Infektion im März 8 Stunden und nachher von März bis Dezember nur 11 Stunden.

In meinem Fall schränkte Long-Covid nicht nur den normalen Alltag bzw. Arbeitsalltag sehr ein, sondern nimmt einem auch noch zu sehr großen Teilen ein schönes Hobby. Besonders bedanken möchte ich mich bei meiner Familie, welche immer ein offenes Ohr für mich hat und natürlich auch bei meinem Betrieb bzw. meinem Vorgesetzten, welcher mir mit großem Verständnis begegnet.

Ich hätte vorher nie gedacht, dass Covid bzw. Long-Covid einen 27-jährigen so treffen kann.

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